Das Kommunikationsproblem der Piratenpartei

Es ist nicht nur einfach Wahlkampf. Es ist Wahlkrieg! Und was stirbt in einem Krieg immer zuerst? Genau, die Wahrheit. Und bei Wahlen ist es nicht anders als im Krieg. Aber warum stellt das für einige Parteien nichtmal ein kleines Problem dar während es die Piraten, meiner Meinung nach, stark behindert?

Die etablierten Parteien (also zumindest CDU,SPD,FDP,Grüne) haben sich an die Gepflogenheiten im Wahlkampf bereits gewöhnt. Lügen, Schwatzen, Vereinfachen, Verdrehen. Das sind die Gepflogenheiten und mittlerweile auch die Grundwerkzeuge jeder Wahlkampfkampagne. Dem “Wahlvieh” wird das Blaue vom Himmel herunter versprochen. Für komplexe Probleme werden auf einmal ganz einfache Lösungen gefunden. Und das diese Lösungen bei gesellschaftlichen Probleme immer Verbote sind die einer Demokratie nicht würdig sind wird mit Verdrehungen und weiteren Lügen einfach “demokratiekompatibel” gemacht.

Aber auch die Vereinfachungen und schwarz-weiß-Malereien spielen im Wahlkampf eine entscheidene Rolle. Wahrnehmungspsychologisch betrachtet nimmt ein Mensch nur 9 aufeinander folgende Worte vernünftig auf. Da die etablierten Parteien eh schon Lügen bis es mündigen Bürgern in der Seele weh tut ist es für sie auch kein Problem sämtliche Probleme und Sachverhalte auf entsprechend kurze Aussagen zu stutzen.

Computerspiele sind böse. Das Internet ist böse. Vereine sind gut. Schützenvereine damit auch. Kinderpornos sind böse. Kinderpornos müssen mit allen verfassungsfeindlichen Mitteln bekämpft werden.  Urheberrecht ist wichtig. Jeder der digitale Medien kopiert ist ein Raubkopierer.

Jeder der sich nicht ausschließlich aus der BILD oder anderen fast schon gleichgeschalteten Medien (also den klassischen Massenmedien) informiert weiß, dass diese Sätze Quatsch sind. Aber sie funktionieren.

Und hier fängt das Problem der Piraten an. Natürlich halten auch die Piraten Kinderpornos für abscheulich, aber die Verfolgung von Kinderpornographie darf  natürlich nur ein einem rechtsstaatlich vertretbaren Rahmen stattfinden. Und allein das waren schon mehr als neun Worte obwohl das Thema damit bei weitem nicht erschöpft ist. Die Piraten versuchen recht innovative und damit auch komplexe Postionen zu vertreten. Ein ehrbahres Ziel. Aber in Zeiten des Wahlkampfs ein fast unmögliches. Die komplexen Thematiken lassen sich einfach nicht mehr auf wenige Worte reduzieren. Wer die Plakate der Piraten gesehen hat weiß, dass es einige mit knappen und prägnanten Sprüchen gibt. Aber wo unterscheiden die sich von den Plakaten der anderen Parteien? Natürlich sind alle Parteien große Fans unseres Grundgesetzes und der Demokratie. Selbst die CDU behauptet das.

Wie kann man also dem “Wahlvieh” klar machen, dass die Piraten doch anders sind? Im positiven Sinne anders. Das ist eine der großen Herausforderungen der sich diese Partei im Moment gegenüber sieht. Aber leider muss ich feststellen, dass sie dieser Herausforderung nicht gerecht wird. Bisher sind die Wahlkampfmittel der Piraten eher klassisch. Plakate gibt es immerhin schon im Internet zu sehen. Die von anderen Parteien hängen bereits. Vermutlich wird es auch noch einen Wahlwerbespot geben. Aber das war es dann vermutlich auch schon. Also in der realen Welt. Im Internet sind die Piraten was den Wahlkampf angeht recht weit vorne. Aber leider ist das Internet für die meisten Wähler (wie auch für die meisten Politiker) soetwas wie eine neue Dorfampel. Sie ist da weil sie jemand mal gebaut hat. Man benutzt sie weil es auch alle anderen tun. Aber eigentlich möchte man sie nicht unbedingt. Aber so richtig dagegen sein geht auch nicht, weil man sonst als fortschrittsfeindlich gilt. (Diese Passage ist aus einem Telepolisartikel sinngenmäß entlehnt) Die Piraten müssen also auch in der realen Welt präsenter werden. Und zwar mit innovativen Aktionen. Die Netzkultur hat auch in der realen Welt einige Ausprägungen hervorgebracht die die Piraten nutzen könnten. Was wäre zum Beispiel mit einigen größeren Flashmobs vor der Wahl? Natürlich politisch angehaucht.

Aber trotz allem werden die Piraten im September meine Stimme erhalten. Sie stehen für das Richtige und sind im Moment die einzige Partei der ich weit genug traue um ihr meine Stimme zu geben. Trotzdem muss auch die Piratenpartei einsehen, dass der Wahlkampf auch in der realen statt findet und dort sogar noch mehr Bedeutung hat als im Netz

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